Stand: Juli 2026. Die EU-Reform aus PSD3 und PSR ist eine der wichtigsten Änderungen im europäischen Zahlungsverkehr seit PSD2. Für Händler geht es dabei nicht darum, selbst zum Regulierungsprofi zu werden. Wichtig ist vor allem zu verstehen, wie sich Zahlungsanbieter, Betrugsprävention, Authentifizierung, Open Banking und Kartenzahlung in den kommenden Jahren verändern.
Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. Er ordnet die Entwicklung aus Händlersicht ein und zeigt, worauf Unternehmen bei der Auswahl und beim Betrieb ihrer Zahlungslösung achten sollten.
Kurzantwort: Was bedeuten PSD3 und PSR für Händler?
PSD3 und PSR betreffen in erster Linie Banken, Zahlungsinstitute, E-Geld-Institute, technische Zahlungsdienstleister und andere Payment Service Provider. Händler sind meist nicht direkt Adressat aller Pflichten. Trotzdem werden sie die Reform im Alltag spüren: Zahlungsanbieter müssen stärker gegen Betrug vorgehen, Open-Banking-Zugriffe transparenter gestalten, Sicherheitsprüfungen sauber umsetzen und Kundeninformationen vereinheitlichen.
Für Händler bedeutet das: Die Wahl des Zahlungsdienstleisters wird wichtiger. Entscheidend sind nicht nur Gebühren, sondern auch Sicherheit, Support, klare Abrechnung, Schnittstellen, technische Stabilität und eine transparente Kommunikation gegenüber Kunden.
Was sind PSD3 und PSR?
PSD3 steht für Payment Services Directive 3. Sie ist die Nachfolgerin der PSD2 und regelt vor allem Zulassung, Aufsicht und organisatorische Anforderungen für Zahlungsinstitute und E-Geld-Institute.
PSR steht für Payment Services Regulation. Anders als eine Richtlinie gilt eine EU-Verordnung grundsätzlich unmittelbar in den Mitgliedstaaten. Die PSR soll zentrale Verhaltensregeln stärker vereinheitlichen, etwa zu Transparenz, Rechten und Pflichten bei Zahlungsdiensten, Betrugsprävention und Open Banking.
Vereinfacht gesagt: Die PSD3 regelt stärker, wer Zahlungsdienste anbieten darf und unter welchen Aufsichtsbedingungen. Die PSR regelt stärker, wie Zahlungsdienste gegenüber Kunden und Nutzern erbracht werden müssen.
Stand 2026: Was ist bereits passiert?
Die Europäische Kommission hat die Vorschläge für PSD3 und PSR am 28. Juni 2023 veröffentlicht. Nach den Verhandlungen erreichten Europäisches Parlament und Rat am 27. November 2025 eine vorläufige politische Einigung. Im April 2026 wurden finale Kompromissfassungen veröffentlicht; KPMG Law ordnet ein, dass sich EU-Parlament, Rat und Kommission am 23. April 2026 auf finale Fassungen geeinigt haben. Das Europäische Parlament dokumentiert außerdem, dass der ECON-Ausschuss den im Trilog verhandelten Text am 5. Mai 2026 gebilligt hat.
Wichtig für die Einordnung: Das bedeutet nicht, dass jeder Händler sofort neue operative Pflichten erfüllen muss. Viele Details betreffen zunächst Zahlungsdienstleister, Banken und Aufsichtsprozesse. Händler sollten die Entwicklung aber beobachten, weil Zahlungsanbieter ihre Verträge, Informationspflichten, Sicherheitsprozesse und Schnittstellen nachziehen werden.
Warum wird PSD2 durch PSD3 und PSR weiterentwickelt?
PSD2 hat Kartenzahlung, Open Banking und digitale Zahlungssicherheit in Europa stark geprägt. Trotzdem haben sich in der Praxis Probleme gezeigt. Dazu gehören unterschiedliche Auslegung in den Mitgliedstaaten, neue Betrugsformen, Hürden bei Open-Banking-Schnittstellen und unterschiedliche technische Umsetzungen.
Die neue Reform soll diese Schwachstellen adressieren. Der EU-Gesetzgeber verfolgt vor allem drei Ziele:
- Betrug besser bekämpfen: Zahlungsdienstleister sollen Betrugsrisiken früher erkennen und wirksamer reduzieren.
- Open Banking stärken: Zugriffe auf Zahlungskonten sollen klarer, fairer und transparenter geregelt werden.
- Regeln harmonisieren: Einheitliche Vorgaben sollen weniger nationale Unterschiede und mehr Planungssicherheit schaffen.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
1. Mehr Betrugsprävention im Zahlungsverkehr
Ein zentraler Schwerpunkt der Reform ist Betrugsprävention. Zahlungsdienstleister sollen Risiken stärker überwachen, Zahlungen bei Auffälligkeiten blockieren können und bei bestimmten Fehlern oder unzureichenden Schutzmechanismen stärker haften. Für Händler ist das relevant, weil Zahlungsprozesse dadurch sicherer, aber in Einzelfällen auch stärker geprüft werden können.
2. Empfängerüberprüfung bei Zahlungen
Die EU will Zahlungsbetrug durch bessere Empfängerprüfung reduzieren. Bei Überweisungen geht es darum, Name und eindeutige Kennung des Zahlungsempfängers abzugleichen. Für klassische Kartenzahlung im Laden ist das nicht eins zu eins dasselbe wie am EC-Terminal. Aber der Trend ist klar: Zahlungsdaten sollen besser validiert werden, bevor Geld fließt.
3. Starke Kundenauthentifizierung wird weiterentwickelt
Die starke Kundenauthentifizierung, bekannt aus PSD2, bleibt ein Kerninstrument. PSD3 und PSR sollen die Vorgaben weiter harmonisieren und nutzerfreundlicher machen. Dazu gehört auch der Gedanke, dass Menschen ohne Smartphone oder mit besonderen Bedürfnissen nicht ausgeschlossen werden dürfen.
4. Open Banking wird verbindlicher
Open Banking soll zuverlässiger funktionieren. Drittanbieter sollen nicht durch unnötige Hürden benachteiligt werden, wenn sie rechtmäßig auf Kontodaten zugreifen dürfen. Nutzer sollen außerdem besser sehen und steuern können, wem sie Zugriff erteilt haben. Für Händler kann das langfristig neue Zahlungs- und Finanzierungsmodelle erleichtern.
5. Mehr Transparenz bei Gebühren und Zahlungsinformationen
Ein weiteres Ziel ist mehr Transparenz. Kunden sollen besser verstehen, welche Bedingungen, Gebühren oder Umrechnungsentgelte bei Zahlungsdiensten gelten. Für Händler ist das indirekt relevant, weil transparente Zahlungsprozesse Vertrauen schaffen und Beschwerden reduzieren können.
6. Einheitlichere Regeln für Zahlungsinstitute und E-Geld-Institute
PSD3 soll das Zusammenspiel zwischen Zahlungsinstituten und E-Geld-Instituten klarer regeln. Für Händler ist weniger die juristische Systematik entscheidend, sondern die praktische Folge: Anbieter müssen ihre Zulassung, Organisation und Prozesse sauber aufstellen. Das kann mittelfristig die Qualität im Markt erhöhen.
Was bedeutet PSD3/PSR konkret für Händler?
Die meisten Händler müssen wegen PSD3 und PSR nicht plötzlich ihr EC-Terminal austauschen oder ihre Kartenzahlung neu erfinden. Trotzdem sollten sie die Reform ernst nehmen, weil sie den Markt für Zahlungsdienstleister verändert.
Praktisch relevant sind vor allem diese Punkte:
- Anbieterqualität wird wichtiger: Zahlungsdienstleister müssen Sicherheit, Support und Compliance verlässlich abbilden.
- Verträge können sich ändern: Anbieter werden AGB, Kundeninformationen und technische Dokumentation anpassen.
- Sicherheitsprüfungen können sichtbarer werden: Gerade bei Online-Zahlungen, Open Banking oder sensiblen Transaktionen.
- Schnittstellen gewinnen an Bedeutung: Kassensystem, Zahlungsanbieter, Terminal und Abrechnung sollten sauber zusammenspielen.
- Transparente Gebühren bleiben zentral: Händler sollten nicht nur auf Terminalmiete schauen, sondern auf Gesamtkosten.
Wenn Sie Kartenzahlung neu einführen möchten, finden Sie hier einen praktischen Einstieg: Kartenzahlung anbieten. Für die Kostenperspektive empfehlen wir unseren Ratgeber Kartenzahlung Gebühren 2026.
Worauf Händler bei Zahlungsdienstleistern achten sollten
PSD3 und PSR machen deutlich: Payment ist nicht nur eine technische Funktion. Es geht um Sicherheit, Verlässlichkeit und klare Prozesse. Bei der Auswahl eines Zahlungsdienstleisters sollten Händler deshalb auf mehr achten als auf den niedrigsten Preis.
- Klare Gebührenstruktur: Terminalmiete, Transaktionsentgelte, Mindestgebühren und Kreditkartenkosten sollten transparent sein.
- Stabile Technik: Kartenterminal, Kasse, Netzwerk und Zahlungsabwicklung müssen im Alltag zuverlässig laufen.
- Schnittstellenfähigkeit: Eine gute Kassenanbindung reduziert Fehler und spart Zeit.
- Support bei Störungen: Gerade im stationären Geschäft zählt schnelle Hilfe mehr als ein theoretisch günstiger Tarif.
- Zukunftsfähigkeit: Anbieter sollten regulatorische Änderungen, neue Zahlarten und Sicherheitsanforderungen aktiv begleiten.
Checkliste: Was Händler jetzt tun können
- Prüfen Sie, welcher Zahlungsdienstleister aktuell Ihre Kartenzahlung abwickelt.
- Kontrollieren Sie, welche Gebühren und Mindestentgelte tatsächlich anfallen.
- Fragen Sie nach, wie Ihr Anbieter mit PSD3/PSR, Betrugsprävention und Sicherheitsanforderungen umgeht.
- Prüfen Sie, ob Terminal und Kassensystem sauber verbunden sind.
- Dokumentieren Sie, welche Zahlungsarten Sie akzeptieren: girocard, Kreditkarte, Debitkarte, Apple Pay, Google Pay.
- Bewerten Sie, ob Ihr Support im Störungsfall schnell genug ist.
- Vergleichen Sie nicht nur Preise, sondern Gesamtkosten und Servicequalität.
- Halten Sie Kundendialog, Belegprozess und Zahlungsinformationen transparent.
Was Future Payments daraus ableitet
Für Future Payments bestätigt PSD3/PSR eine klare Richtung: Kartenzahlung muss sicher, transparent und alltagstauglich sein. Händler brauchen keine komplizierte Regulierungsberatung, sondern eine Zahlungslösung, die zuverlässig funktioniert und rechtliche Entwicklungen technisch sauber mitgeht.
Deshalb betrachten wir Kartenzahlung immer als Gesamtsystem: passendes Terminal, nachvollziehbare Gebühren, gute Beratung, optional eine Kassenanbindung und Support, wenn im Alltag etwas nicht funktioniert. Wenn Sie Ihre Kartenzahlung zukunftssicher aufstellen möchten, können Sie Ihre Anforderungen im Terminal-Konfigurator vorbereiten oder direkt Kontakt aufnehmen.
FAQ zu PSD3, PSR und Kartenzahlung
Was ist PSD3?
PSD3 ist die geplante dritte Zahlungsdiensterichtlinie der EU. Sie entwickelt die bisherigen PSD2-Regeln weiter und betrifft vor allem Zulassung, Aufsicht und Organisation von Zahlungsinstituten und E-Geld-Instituten.
Was ist die PSR?
Die PSR ist die geplante Payment Services Regulation. Sie soll zentrale Regeln für Zahlungsdienste europaweit stärker vereinheitlichen, etwa zu Transparenz, Nutzerrechten, Pflichten von Zahlungsdienstleistern, Betrugsprävention und Open Banking.
Wann treten PSD3 und PSR in Kraft?
Stand Juli 2026 befinden sich PSD3 und PSR im fortgeschrittenen EU-Gesetzgebungsverfahren. Nach politischer Einigung und Ausschusszustimmung folgen die formale Annahme, Veröffentlichung und Übergangs- bzw. Umsetzungsfristen. Händler sollten deshalb die Kommunikation ihrer Zahlungsdienstleister beobachten.
Betrifft PSD3/PSR Händler direkt?
Viele Pflichten treffen zuerst Banken, Zahlungsinstitute und Zahlungsdienstleister. Händler sind aber indirekt betroffen, weil Anbieter Prozesse, Verträge, Sicherheitsprüfungen und Informationspflichten anpassen werden.
Muss ich wegen PSD3 mein EC-Terminal austauschen?
In der Regel nicht allein wegen PSD3 oder PSR. Entscheidend ist, ob Ihr Terminal, Ihr Zahlungsdienstleister und Ihre Kassenanbindung zukunftsfähig, sicher und zuverlässig sind.
Was ändert sich bei starker Kundenauthentifizierung?
Die starke Kundenauthentifizierung bleibt wichtig und soll weiter harmonisiert werden. Besonders bei Online-Zahlungen, Open Banking und bestimmten Risikosituationen können Prüfungen sichtbarer werden.
Was bedeutet Open Banking für Händler?
Open Banking kann langfristig neue Zahlungs- und Finanzprozesse ermöglichen. Für viele stationäre Händler ist der kurzfristige Effekt begrenzt, aber Zahlungsanbieter und Banken müssen Schnittstellen und Datenzugriffe transparenter gestalten.
Hat PSD3 Einfluss auf Kartenzahlungsgebühren?
PSD3/PSR sind nicht einfach eine neue Gebührenordnung für Händler. Die Reform kann aber Transparenz, Anbieterstruktur und Prozesse beeinflussen. Händler sollten Gebühren weiterhin vollständig betrachten: Terminalmiete, Transaktionsentgelte, Mindestgebühren und Service.
Was sollte ich als Händler jetzt tun?
Prüfen Sie Ihren aktuellen Zahlungsanbieter, Ihre Kostenstruktur, Ihre Kassenanbindung und Ihren Support. Fragen Sie aktiv nach, wie Ihr Anbieter regulatorische Änderungen begleitet.
