Der EU-Deckel seit 2015
Mit der Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge hat die EU die Interchange für Verbraucherkarten im Europäischen Wirtschaftsraum begrenzt:
| Kartentyp | Interchange-Obergrenze |
|---|---|
| Debitkarte (Verbraucher, EWR) | 0,20 % des Transaktionsbetrags |
| Kreditkarte (Verbraucher, EWR) | 0,30 % des Transaktionsbetrags |
Diese Grenzen gelten für alle Anbieter gleichermaßen. Kein Acquirer kann sie unterbieten, keiner darf sie überschreiten. Wer zwei Angebote vergleicht, vergleicht deshalb nie die Interchange, sondern immer nur die Marge des Anbieters obendrauf.
Was nicht unter den Deckel fällt
Drei Fälle sind in der Praxis relevant:
- Firmen- und Geschäftskarten (Commercial Cards) unterliegen der Obergrenze nicht.
- Karten von außerhalb des EWR (etwa aus den USA, Asien oder dem Vereinigten Königreich) fallen nicht unter die Verordnung. Für Privatkarten haben Visa und Mastercard der EU-Kommission aber dieselben Grenzen für Zahlungen am Terminal zugesagt, online 1,15 % und 1,50 %, derzeit bis November 2029. Teurer sind diese Zahlungen vor allem wegen höherer Netzwerkgebühren.
- Drei-Parteien-Systeme wie American Express funktionieren strukturell anders, weil dort Kartensystem und Issuer dasselbe Unternehmen sind.
Für Betriebe mit internationaler Kundschaft ist das keine Randnotiz: Ein Hotel oder ein Restaurant in touristischer Lage sieht im Kartenmix regelmäßig Karten, die teurer abgerechnet werden. Wer ein Pauschalmodell wählt, gibt dieses Risiko an den Anbieter ab; wer nach Interchange++ abrechnet, trägt es selbst. Beide Modelle stehen im Ratgeber Kartenzahlung Kosten für Händler gegenübergestellt.
Interchange, Scheme Fee und Marge
Die Gebühr, die am Monatsende abgerechnet wird, setzt sich aus drei Teilen zusammen:
- Interchange: geht an die Bank des Kunden, gedeckelt.
- Scheme Fee: geht an Visa, Mastercard oder das girocard-System, vom Kartensystem festgelegt.
- Acquirer-Marge: geht an den eigenen Zahlungsdienstleister, verhandelbar.
Nur Punkt 3 ist ein echter Hebel. Genau deshalb ist die entscheidende Frage im Anbietervergleich nicht „Wie hoch ist die Interchange?“, sondern „Was schlägt der Anbieter darauf auf, und welche Nebenkosten kommen dazu?“ Der Ratgeber Kartenzahlung Gebühren senken geht die Stellschrauben durch.
Praxisbezug: Was das an der Kasse ausmacht
Eine girocard-Zahlung über 40 Euro enthält höchstens 0,08 Euro Interchange. Bei Future Payments kostet dieselbe Zahlung den Händler insgesamt 0,096 Euro (0,24 Prozent, alles inklusive). Eine Visa-Kreditkarte über denselben Betrag enthält bis zu 0,12 Euro Interchange und kostet mit 0,89 Prozent insgesamt 0,356 Euro.
Der Unterschied klingt klein, summiert sich aber: Bei 12.000 Euro Kartenumsatz im Monat trennen 0,24 und 0,89 Prozent rund 78 Euro. Deshalb lohnt es sich, den eigenen Kartenmix zu kennen, bevor man ein Modell wählt.
Unverbindliche Beispielrechnung auf Grundlage der genannten Annahmen, kein Angebot und keine Preiszusage. Verbindlich ist allein Ihr individuelles Angebot.
Weiterführende Artikel
Quellen
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge, Artikel 3 und 4, abgerufen am 14. September 2026.
- Deutsche Bundesbank: Kartenzahlungen – Überwachung, abgerufen am 14. September 2026.
